Garnelenzucht und Haltung

 

Bei Haltung und Zucht wird es schwierig, allgemeingültige "Regeln" aufzustellen. Was bei einem geht, geht beim anderen gar nicht. Wo sich die einen Garnelen in weichem Wasser vermehren, vermehren sie sich beim anderen nur in hartem Wasser. Der ein schwört auf Brunnenwasser, der andere auf irgendwelche Wasserzusätze.

Diese Seite kann somit nur unsere eigenen und persönlichen Erfahrungen wiedergeben.

Die Zucht empfindlicherer Garnelen ist etwas für Tüftler und Bastler und Menschen mit gefestigter Frustrationsschwelle. Verfügt man halbwegs über diese Eigenschaften und kann auch noch ein Quentchen Geduld mitbringen, dem wird ein immer wieder neu atemberaubend schönes Hobby zuteil werden.

Wir für uns können sagen, dass die Faszination an diesen Tieren trotz jahrelanger Zucht nie auch nur ansatzweise nachgelassen hat. Wir sitzen immer noch atemlos vor neuen Becken, neuen Arten und neu entlassenen Jungtieren.

Vor der Haltung und geschweige denn Zucht, steht aber die

 

Einlaufphase

Irrigerweise gehen neue Besucher oft bei uns davon aus, dass wir unsere Becken angesichts unserer Erfahrung nur noch recht kurz einlaufen lassen.

Das Gegenteil ist der Fall.

Wir waren früher Fischhalter, insbesondere die Welse hatten (und haben es noch immer) uns angetan. Neue Becken haben wir in unserer Anfangszeit als Garnelenhalter wie Fischbecken behandelt und diese nur 2 Wochen einlaufen lassen. Mit oft fatalen Folgen für neu eingesetzte Garnelen.

Inzwischen haben wir uns bei Garnelen von jeglicher starrer Regel für Einlaufzeiten verabschiedet. Wir besetzen Garnelenbecken nach Augenmaß und probieren aus. Manche Becken werden nach 2 Wochen besetzt, manche sind es nach 4 Monaten noch nicht.

Nach einigen Wochen setzen wir einzelne Garnelen ein und warten dann eine weitere Woche ab. Funktioniert das, dann wird das Becken nach und nach mit den Garnelen der Wahl besetzt.

Wenn man pauschalisieren möchte, dann kann man sagen, dass man Aquarien mit Anfängergarnelen wie Red Fire nach ca. 2 Wochen besetzten kann.

Mit mittelempfindlichen Garnelen wie Crystal Red nach ca. 3 Wochen.

Und mit empfindlichen Garnelen wie Bees nach 4-6 Wochen.

In der Einlaufzeit vor dem Besatz sollte man häufigere und größere Wasserwechsel durchführen.

 

Wasserwerte

Auch so ein heikles Thema, bei dem es schwierig ist, allgemeingültige Regeln aufzustellen.

Die einzige Pauschalaussage, die man u.E. treffen kann, ist dass alles was Richtung Bienengarnele geht wie Crystal Red, die "Wildbiene", Bees etc. sich nicht in sehr hartem Wasser vermehrt.

Man sollte sich nicht zu sehr an statische WW klammern. Statische WW führen über kurz oder lang dazu, dass sich die Tiere nicht mehr vermehren. Mal ganz davon abgesehen, dass die Tiere viel zu sensibel werden, wenn man sie dauernd in konstanten Werten hält.

Auch hier ist Augenmaß und Erfahrung gefordert, was die Tiere verkraften können und womit man sie überfordert.

 

Wie verändere ich meine Wasserwerte?

Tausend Möglichkeiten :-)

Für "Spielereien" wie Filterung über Torf und dergleichen haben wir weder Zeit noch Lust. Auch Regen- und Brunnenwasser verwenden wir nicht.

Zur Herstellung von weichem Wasser bietet sich eine Osmoseanlage oder ein Vollentsalzer an. Wir selber verwenden einen Vollentsalzer. Eine Osmoseanlage ist bei unseren Wassermengen nicht praktikabel. Zum einen, weil Osmoseanlagen nur sehr langsam Wasser durchlaufen lassen. Zum anderen erzeugen sie große Mengen an Abwasser. Vollentsalzer hingegen haben den Nachteil, dass man sie regenerieren muss und das ist im wahrsten Sinne des Wort recht ätzend.;-) Es gibt auch noch Mischbett-Vollentsalzer.

Für die Aufhärtung von Wasser sind im Handel Aufhärtsalze erhältlich.

Generell ist unsere Meinung zu diesem Thema "so viel wie nötig, so wenig wie möglich"

Wir versuchen alle unsere Garnelen möglichst in Leitungswasser zu halten und zu züchten. Wir verfügen über mittelhartes Leitungswasser bei einem PH von 8 im Becken. Die meisten Garnelen lassen sich hierin problemlos züchten.

 

Die Anschaffung geeigneter Zuchttiere

Billig sollen sie sein und möglichst groß, damit man direkt mit der Zucht durchstarten kann!!! Oder doch nicht?

Die "Geiz ist geil" Mentalität hat in Deutschland meines Erachtens dazu geführt, dass vielfach Garnelen niedrigster Qualität "im Umlauf" sind und Sensibelchen noch dazu. Grad im Bee Bereich ist die Entwicklung meiner Meinung nach ein Trauerspiel.

Es werden schlechte Ausgangstiere gekauft (die sind ja schön billig) und es wird ohne Sinn und Verstand einfach wild in dem einzigen vorhandenen Becken gekreuzt. Der schnelle Rubel, statt schöner Tiere, steht im Vordergrund.

Wirkliche Zuchtarbeit bedeutet jahrelange Arbeit. Jahre in denen man nur Geld zuschießt und ganz viel Erfahrung sammelt. Der Lohn sind dann qualitativ hochwertige Tiere.

Wir legen in unserer Zucht zudem noch größten Wert darauf, dass die Tiere nicht verzärtelt werden und sich auch unter den Normalbedingungen der meisten Aquarianer halten lassen. Wer hat schon Brunnen- oder Quellwasser zur Verfügung.

Wir selber sind gern bereit für gute Ausgangstiere gute Preise zu bezahlen, weil wir wissen welches Potential solche Tiere haben und welche Arbeit in einer guten Linie steckt. Wir kaufen unsere Zuchttiere ausschließlich dort ein, wo wir wissen, dass der Züchter unsere Philosophie und unseren Maßstab für Qualität teilt.

Wir legen auch keinen Wert darauf bereits geschlechtsreife Tiere zu erhalten. Bei Wildfängen geht es manchmal nicht anders, da ist man auf die vorhandenen Tiere des Importeurs angewiesen. Ansonsten sind uns halbwüchsige Tiere beim Kauf erheblich lieber.

Wie schon bei Menschen gilt der Spruch "einen alten Baum verpflanzt man nicht" auch bei Garnelen. Ältere Tiere gewöhnen sich sehr viel schwerer an neue Bedingungen, als junge Tiere.