Einrichtung und Zubehör

Garnelenaquarien werden insbesondere von Anfängern auf diesem Gebiet oftmals so eingerichtet wie Fischbecken. Alles was im Handel als aquarien- und fischtauglich angeboten wird, wird gleichgesetzt mit Tauglichkeit für Garnelenbecken.

Dem ist leider jedoch nicht so. Nicht alles was für Fische völlig unproblematisch ist, ist dieses auch für Garnelen. Es gilt daher Vorsicht. Auf dem Gebiet der Garnelen ist vieles noch unbekannt und man tut gut daran, sich vor der Einrichtung eines Beckens bei "alten Hasen" zu erkundigen, was geht und was nicht geht. So erspart man sich so manche (vermeidbare) Enttäuschung.

Aufgrund rechtlicher Relevanzen kann manches hier nur angerissen werden. Wir stehen für Fragen gern per E-Mail zur Verfügung.

Leider ist die Ursachenforschung für Probleme bei Garnelen nicht immer einfach. Auch wir stehen manchmal vor einem Rätsel. Und Ferndiagnosen sind sowieso mehr wie schwierig und oftmals aussichtslos.

 

Beckengröße

Für die Haltung von Zwerggarnelen sind Beckengrößen ab 10 Liter verwendbar. Für größere Garnelen wie Amanos oder Macrobrachium Becken ab 54 Liter.

Generell kann man sagen, je größer das Becken desto unproblematischer wird es in den meisten Fällen laufen.

Becken unterhalb von 20 Liter sind für Anfänger eher ungeeignet. Man sollte bei 10 Liter Becken ein wenig aquaristische Grunderfahrung mitbringen, um solche Becken stabil zu halten. Verfügt man aber darüber, dann ist auch die Haltung einer (begrenzten) Anzahl von Zwerggarnelen darin kein Problem.

 

Bodengrund

Nicht jeder Bodengrund, der fischtauglich ist, ist auch garnelentauglich. Bitte informiert Euch daher *vor* der Einrichtung eines Beckens, welcher Bodengrund verwendbar ist. Tote Garnelen und die Neueinrichtung eines Beckens sind immer die schlechteste Lösung.

Wir selber verwenden Aquariensand, Dennerle Farbkies, Akadama (fein und grob), Aqua Soil Amazonia (ADA), Jungle Sugar Sand, JBL Manado und Shirakura Red Bee Sand.

Aber auch andere Bodengründe sind machbar.

 

Wurzeln

Mopaniwurzeln stehen im Verdacht Schwermetalle ans Becken abzugeben. Ob dieses tatsächlich so ist, ist nicht geklärt. Es gibt durchaus Garnelenhalter, die Mopani Wurzeln ohne Probleme in ihren Garnelen-Aquarien verwenden.

Wir selber verwenden Mangrove und Morkien. Aber auch hier sind wir vorsichtig. Wenn etwas in einem Becken schief läuft und andere Gründe ausgeschlossen werden können, fliegt bei uns als erstes die Wurzel aus dem Becken.

 

Steine

Steine sind zum einen optische Gestaltungselemente in einem Aquarium. Zum anderen stellen sie ideale Abweideflächen insbesondere für Junggarnelen zur Verfügung. Hier ist insbesondere das Lavagestein zu nennen, welches aufgrund seiner hochporösen Strukturen für Junggarnelen ideal ist. Wir selber verwenden Lavagestein in vielen unserer Becken.

Nicht alle Steine sind in Garnelenbecken geeignet. Manche geben Stoffe ans Wasser ab, die Garnelen schaden können. Manche härten das Wasser teilweise stark auf.

Wir selber verwenden Lavagestein und Drachensteine. Beide sind wasserneutral.

 

Neue Pflanzen

Im Handel gekaufte Pflanzen sind oftmanls mit Pestiziden, Düngern und/oder Schneckenmitteln behandelt und stellen daher eine Gefahr für Wirbellose dar.

Es ist daher ratsam, neue Pflanzen erstmal 1-2 Wochen außerhalb des Beckens bei täglichem Wasserwechsel in dem Gefäß, zu wässern. Erst danach sollte man die Pflanzen ins Becken setzen.

Bleibänder und Mineralfaserwolle haben in einem Garnelenbecken nichts zu suchen und sollten entfernt werden.

Dass Anubien und Cryptocorynen nicht garnelentauglich sind, halten wir persönlich für einen Mythos, da wir beide Pflanzen selbst bei hochempfindlichen Garnelen seit Jahren problemlos pflegen.

 

Dekoration im Becken

Dekorationsgegenstände sind nicht nur eine Frage des Geschmacks, sondern sollten mit Argusaugen im Hinblick auf die Garnelentauglichkeit betrachtet werden.

Werden eventuell Weichmacher abgegeben? Werden Schwermetalle im Laufe der Zeit frei? Werden sonstige Giftstoffe abgegeben, die für Fische vielleicht unproblematisch sind, nicht aber für Garnelen?

Das kann man meist nur schwer beurteilen. Wir selber verzichten daher weitgehend auf Dekorationsgegenstände.

 

Dünger

Vorsicht auch beim Dünger. Bei weitem nicht jeder Dünger ist garnelentauglich. Im Netz gibt es Listen, welche Dünger bei Garnelen verwendet werden können.

Aber auch bei garnelentauglichem Dünger bitte mit Augenmaß arbeiten. D.h. nicht direkt die volle Dosis eines neuen Düngers verwenden, sondern erstmal mit niedriger Dosierung beginnen. Den Dünger gut verteilt ins Becken geben, nicht nur an einer Stelle. Und den Filter nicht ausstellen. Dünger sollte sich schnell im Becken verteilen, damit an keiner Stelle eine zu hohe Konzentration entsteht.

Auch Nährboden ist Dünger.

 

Wasseraufbereitung

Unter Wasseraufbereitung kann man verschiedenste Dinge verstehen. Generell gesehen sind wir der Auffassung..... so viel wie nötig, so wenig wie möglich.

Das Thema Osmosewasser wird seinen Platz unter "Haltung und Zucht" finden.

Wasseraufbereiter ist dann sinnvoll und nötig, wenn sich Schwermetalle im Wasser befinden. Leider ist mit den in Handel erhältlichen Test erst eine sehr hohe Kupferkonzentration messbar. Bereits weit unterhalb beginnt jedoch eine Konzentration, die zum Sterben von Garnelen führen kann. Mit im Handel erhältlichen Tests ist diese nicht messbar. Hier kann man zur Not nur auf ein Testlabor zurückgreifen.

Wer sein Wasser über einen Durchlauferhitzer erhält, wird um Wasseraufbereiter nicht herumkommen, da Durchlauferhitzer erhebliche Mengen an Kupfer ans Wasser abgeben.

Da unser Wasser kein Kupfer enthält, sind wir in der glücklichen Lage keinen Wasseraufbereiter verwenden zu müssen.

Wenn Ihr Wasseraufbereiter verwenden müsst oder wollt, dann informiert Euch bitte *vorher* z.B. im Netz darüber, welche Wasseraufbereiter für Garnelen möglich sind.

Was ist zu einem Blockfilter zu sagen? Angesichts mehrerer Meldungen über Wasserchlorungen hatten wir eine Zeitlang ebenfalls einen Blockfilter von Reiser verwendet. Zumindest für unsere Bees. Die Kartusche ist inzwischen verbraucht, seither ist dieser schon einige Jahre nicht mehr im Einsatz.

Wir stehen dem Thema Blockfilter etwas zwiespältig gegenüber. Man ist damit auf der sicheren Seite, was z.B. eine Chlorung anbelangt. Andererseits möchten wir unsere Garnelen möglichst unempfindlich halten. Und über einen Blockfilter filtert man natürlich einiges aus, was dazu führen *könnte*, dass man Garnelen empfindlicher macht, als wir dies wünschen.

 

Futter und Fütterung

Viele Garnelen werden tot gefüttert! Garnelen brauchen sparsame Fütterung (und was grad Anfänger als sparsam empfinden deckt sich meist nicht mit unserer Vorstellung von sparsam ;-)) und jede Garnelenart wird bei uns speziell auf ihre Bedürfnisse hin gefüttert.

Manche Garnelen insbesondere die sogenannten Anfängergarnelen sind recht unproblematisch in der Fütterung. Man kann sie mehr und proteinreicher füttern, als andere Garnelen. "Mehr" heißt aber nicht, dass sie überfüttert werden sollten.

Empfindlichere Garnelen sind heikler bei der Fütterung. Bei Crystal Red Garnelen beispielsweise dürfte zuviel und die falsche Fütterung eine sehr häufige Todesursache sein. Die Tiere wachsen zu schnell und kommen dann nicht aus ihrer Haut und sterben an Häutungsproblemen.

Generell sollte man darauf achten, dass Futter nicht liegenbleibt. Liegengebliebenes Futter sollte man aus dem Becken entfernen. Man sollte auf wasserstabiles Futter achten.

Wenn Garnelen nicht zum Futter gehen, bedeutet dieses, dass die Tiere hoffnungslos überfüttert sind. Eine richtig gefütterte Garnele setzt sich in Bewegung, sobald Futter ins Becken kommt.

Gemüse im Becken.... hmm... haben wir früher auch gemacht. Inzwischen verzichten wir komplett darauf. Man weiß nicht, was alles so im Gemüse an Schadstoffen enthalten ist und generell belastet Gemüse das Wasser stark. Auch im natürlichen Lebensraum fallen eher selten Gurken und Möhren in Bäche und Flüsse. Gemüse ist in der Küche wunderbar, in Garnelenbecken unser Meinung nach aber völlig verzichtbar und sogar oftmals ein Problem.

Bei Babygarnelen ist es sinnvoll mit feinstem Futter zu füttern, was sich gut im Becken verteilt. Damit auch die nicht so beweglichen Junggarnelen Futter finden.

Und man sollte nicht so pingelig mit dem Thema "Algen" umgehen. Ein völlig von Algen zugewuchertes Becken ist zwar auch nicht unser optischer Traum eines schönen Beckens. Ein völlig kahles, steriles und algenfreies Becken ist aber der Alptraum eines jeden Züchters. Es gibt kaum ein besseres Erstfutter für Junggarnelen, als Aufwuchs. Wir entfernen Algen daher nur von der Frontscheibe und sind ansonsten überaus dankbar, wenn Becken nicht völlig algenfrei sind.

 

Vergesellschaftung mit Fischen

Generell gesprochen.... problematisch....

Was problemlos geht und auch von uns gern praktiziert wird, ist eine Vergesellschaftung mit Ancistren. Natürlich nur in ausreichend großen Becken ab 100 Liter aufwärts. Ancistren sind durchsetzungsfähig, sie kümmern sich hervorragend um liegengebliebene Reste, sie halten die Scheiben sauber. Und die Garnelen ernähren sich gern von ihrem Kot.

Andere Welse gehen bedingt. Viele L-Welse brauchen hohe Temperaturen. Das wiederum verträgt sich mit den meisten Garnelen nicht.

Panzerwelse und Otocinclen gehen bedingt. Sie gehen nicht an den Garnelennachwuchs. Nur wenn die Garnelenpopulation zu groß wird, dann wird es schwierig die Welse ausreichend zu ernähren, da sie bei weitem nicht so schnell und durchsetzungsfähig wie Ancistren sind.

Bei allen anderen Fischen (auch bei den sogenannten Mini-Fischen) wird der Garnelennachwuchs gefressen. Und bei größeren Fischen auch die ausgewachsenen Zwerggarnelen. Da gehen dann nur noch große Garnelen wie Amanos oder Macrobrachium. Vorsicht bei den Macrobrachium. Dort gibt es einige räuberische Arten. Da ist nicht die Garnele, sondern der Fisch in Lebensgefahr.;-)

 

Vergesellschaftung mit Schnecken

Geht, wenn man einige Punkte beachtet.

Zum einen möchte ich mal eine Lanze für die Schnecken brechen. Bei uns laufen desöfteren Leute mit einer wahren Schneckenphobie auf. Mir unverständlicherweise. Schnecken sind die Polizei des Aquariums. Sie sind unglaublich nützlich. Sie halten den Bodengrund locker (Turmdeckelschnecken), sie kümmern sich um liegengebliebene Reste und absterbendes organisches Material. Ein Becken ohne Schnecken wäre uns persönlich zu risikoreich. Und inzwischen bietet der Markt sogar so viele wunderschöne Schnecken.

An die Schneckenphobiker :-): Ihr könnt in einem Garnelenbecken keine Mittel gegen Schnecken verwenden. Was Schnecken tötet, tötet auch Garnelen. Raubschnecken sind da ein probates Mittel. Sie gehen nicht an Garnelen.

Die Vergesellschaftung mit Posthornschnecken, Turmdeckelschnecken und Blasenschnecken ist unproblematisch. Bei sehr weichem Wasser kann es aber zu Problemen mit den Gehäusen der Schnecken kommen.

Schnecken vermehren sich nur dann rasant, wenn zuviel gefüttert wird. Zuviel an Fütterung ist bei Garnelen aber eh ein Todesurteil, von daher halten sich Schneckenpopulationen in Garnelenbecken von allein im Rahmen.

Auch eine Vergesellschaftung mit Rennschnecken ist kein Problem. Je kleiner das Becken desto weniger Rennschnecken sollte man einsetzen.

Bei den Apfelschnecken wird es problematischer. Apfelschnecken benötigen größere Becken (ab 54 Liter) und viel Futter. Sie drohen zu verhungern, wenn die Garnelenpopulation größer wird. Also nur mit Augenmaß fürs Tier. Es gibt Apfelschnecken, die sich auch an Pflanzen vergreifen. Also aufpassen, welche Art man sich da zulegt.

 

Medikamente und sonstige Mittel

Die meisten Medikamente enthalten Schwermetalle und sind daher in Garnelenbecken nicht verwendbar.

Und was schon bei Fischbecken gilt, gilt in Garnelenbecken umso verschärfter. Vorsicht bei allem, was man so in ein Becken kippt. Der Handel bietet viel an. Nur wenig davon ist für das sensible Gleichgewicht eines Beckens dienlich.

Zuviel an Fummelei und Veränderung ist meist alles andere als nützlich.

Das Augenmaß bewahren und beachten, dass es sich bei Garnelen nicht um Dekorationsgegenstände handelt, sondern um lebende Tiere, die ein Recht darauf haben, dass man sorgsam mit ihnen umgeht. Dann wird man auch sehr viel Freude an ihnen haben.